Stadtteilgeschichte Beuel

„Ihr weiterer Aufenthalt im Reichsgebiet ist unerwünscht.“

Schicksale Beueler Juden und Jüdinnen

Der 31. Mai 1932 war ein Fest für die Anwohner der Beueler oberen Wilhelmstraße. An diesem Tag feierte hier das Ehepaar Moses und Regina Behr gemeinsam mit Verwandten, Freunden und Nachbarn seine goldene Hochzeit. In der regionalen Presse wurde das Ereignis ausführlich gewürdigt. „Die Bürgerschaft nahm an dem Fest regen Anteil. Schöner Grün- und Flaggenschmuck der Nachbarschaft gaben dem Jubelhaus nach außen hin das nötige Festgepräge. Am Vorabend fand durch den Ortsverband, namentlich aber auch durch den Kameradschaftlichen Verein, der durch die Bonner Feuerwehrkapelle eine Serenade darbringen ließ, eine Ehrung des Jubelpaares statt. Der dem Ortsverband angeschlossene MGV 'Concordia' umrahmte die Feierstunde durch ansprechende Lieder. Für den Ortsverband sprach der Vorsitzende Herr Simons und für den Kameradschaftlichen Verein Herr Peter Schäfer. Am Jubeltage selbst übermittelte die Gemeinde Beuel ihre Glückwünsche durch den 1. Beigeordneten Herrn Karnatz, der bei dieser Gelegenheit eine Ehrengabe überreichte.“ (GA 1.6.32) Die „Beueler Zeitung“ würdigte besonders Moses Behr, den Abkömmling einer alteingesessenen jüdischen Beueler Familie, als Veteranen der Kriege von 1866 und 1870/71 und vergaß nicht auf die „Fülle von Blumen und sonstigen Aufmerksamkeiten“ hinzuweisen, die „von der Achtung und Beliebtheit (zeugten), deren sich das Jubelpaar in der Bürgerschaft erfreut.“ (BeZ 1.6.32)

Sicherlich war das Maß an Sympathie, das die Eheleute Behr bei vielen Beuelern genossen, außergewöhnlich groß. Dabei mag auch das Mitgefühl der Nachbarn mit den familiären Problemen der beiden alten Leuten eine Rolle gespielt haben. Dennoch kann man dieses Ereignis als ein Indiz für den Umgang ansehen, der noch 1932 zwischen Juden und Nichtjuden üblich war.